Zaubertrank

„Piraten! Piraten! Auf Nord-Nord-Ost!“ Solche Meldungen aus dem Ausguck von Handelsschiffen kündigten früher, gelinde gesagt, jede Menge Ärger an. Tja, und meine Piraten waren schon da. Sie versuchten gerade mich zu entern und zu versenken. Aber die Verteidigungskräfte der Uniklinik hielten dagegen! Nur am Ende würde es nicht ausreichen, die Piraten abzuwehren. Damit sie nicht wieder kommen, brauchte ich nach den Chemotherapien einen Zaubertrank aus Stammzellen. Die fremden Zellen sollen nach einer Transplantation* ein neues, fehlerfreies Immunsystem bilden.

©Pixabay

Ausgerechnet jetzt, mitten im Chaos des Gefechts, brauchte meine Fregatte einen Ausguck, der ruhig und gewissenhaft ein neues, passendes Immunsystem hinter dem Horizont erspähen sollte. Genau dafür sorgt die Freiburger Stammzelldatei. (Hierzu kommt in Kürze ein Interview zum Thema) Sie ist national und international mit anderen Datenbanken vernetzt und kann so auf mehrere Millionen potentielle Spender zugreifen.

Zum Glück läuft die Suche nach einem Spender parallel, während sich Ärzte und Patienten im Kampf befinden: Ist die genaue Art der Leukämie bekannt, steht auch fest, ob eine Stammzelltransplantation nötig ist. Wenn eine nötig ist, beginnt umgehend im Hintergrund die Arbeit der Datenbanken. Zuerst wird nach Geschwistern geforscht. Hier ist die Wahrscheinlichkeit eines passenden Treffers am größten, bei ca. 25 %. Geschwister werden direkt angeschrieben und um eine Blutprobe (beim Arzt vor Ort) gebeten.

Die Blutprobe meiner Schwester kam wirklich schnell. Aber ihr Immunsystem war leider nicht kompatibel zu meinem. So wurde weiter gesucht. Auch der Einsatz im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis war groß. Es wurden einige Aufrufe initiiert.** Aber kein Grund zur Panik! Mir wurde gesagt, dass bei meinem ethnischen Hintergrund die Chance über 90% liegt, einen passenden Spender zu finden. Klar, weil die meisten registrierten Spender weltweit tatsächlich aus Mitteleuropa kommen, Deutschland ist hier sogar Spitzenreiter.

In den folgenden Wochen wurden für mich sogar zwei 100%-Treffer gefunden. Ein dritter möglicher Kandidat wurde zwar ausgemacht, aber nicht mehr genauer verglichen.*** Das war die Wendung in der Geschichte, die Hoffnung hinter dem mir sichtbaren Horizont. 

Plötzlich fingen die Piraten an zu taumeln, kämpften weniger konzentriert und zogen sich langsam zurück. Die Chemotherapie wirkte. Mein Körper war aber auch schwer angeschlagen. „Land in Sicht“ meldete mein Ausguck. Sehr gut, genau zur richtigen Zeit. Eine kurze Kampfpause zur Erholung des Körpers stand an, bevor die Piraten erneut zum Entern ansetzten, womit die nächste Chemotherapie fällig war. Die Pause verbrachte ich an Land, verließ die raue See der Isolierstation und begab mich nach Hause. Leider nur für ein paar Tage.

Trotzdem: Die Ruhe zu Hause tat gut! Ich spürte in mir eine verdammt große Vorfreude auf meinen Stammzell-Zaubertrank aufsteigen! Aber bis dahin dauert es noch ein wenig und es gibt noch einiges zu berichten.

* Es gibt unterschiedliche Leukämie- und Lymphomarten. Solche, bei denen eine Stammzelltransplantation nötig ist und solche, bei denen keine zur Therapie gehört. Es können sogar manchmal eigene Stammzellen zum Einsatz kommen. Bei meiner Art der Leukämie jedoch nicht. Hier wurde eine Spende von einer fremden Person benötigt. Es gibt also zwei Arten der Stammzelltransplantation. Einmal die mit eigenen Stammzellen. Sie wird als autolog bezeichnet. Und die Spende durch eine fremde Person wird allogene Transplantation genannt.

** Vielen herzlichen Dank für Aufrufe und Aktionen gehen an Ane, Antje, Anja, Karin, Ulrike, Tobias, Matthias, Christina, Silke, Kathrin, Steffi, Gisela, Peter und alle weiteren, die in irgendeiner Form mitgeholfen haben! Ganz besonders hervorheben möchte ich die Aktion vom Stadtjugendring Freiburg für die gemeinsame Spendenaktion mit der Stammzelldatei Freiburg. Vielen Dank Euch allen!

*** Bei einem anderen Patienten auf der Station mit asiatischer Abstammung verlief die Suche viel ungewisser. Durch die Suche hat er erfahren, dass es in seinem Herkunftsland überhaupt keine zentrale Spenderdatenbank gibt. Das war natürlich eine harte Botschaft. Aber schließlich hat man nach einigen Wochen dann doch jemanden gefunden, dessen Immunsystem kompatibel war.

Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen

Statistisch gesehen sind zwischen 10.000 und 100.000 registrierte Spender nötig, um einen passenden Treffer zu finden. Vielleicht ist jemand von Euch eine der lebensrettenden Nadeln im Heuhaufen.

Bitte lasst Euch als Stammzellspender registrieren und rettet Leben!

Spenden, um die hohen Kosten jeder einzelnen Typisierung zu finanzieren, sind auch gerne gesehen. Weitere Stammzell-Spender-Informationen findet Ihr hier (Freiburg) und hier (nach Regionen) und Spendeninfos für Freiburg hier.

Weiterlesen im nächsten Kapitel:

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