Frontalaufprall

Meine Straße des Lebens verlief im Grunde ganz normal, wie bei vielen anderen auch. Ich war gerade 40 geworden, hatte einen normalen Job, eine super Frau an meiner Seite, und gemeinsam umschifften wir die üblichen Alltagsprobleme. Soweit war alles im Normalbereich: Eine fast gerade Straße ohne Hindernisse in Sichtweite.

Doch im Dezember 2016 fühlte ich mich nicht ganz so gut. Wenn man auf die Angelegenheit zurückblickt, schlich sich die Krankheit schon einige Monate zuvor heran. Im Dezember also dachte ich, dass ich eine Art versteckter Erkältung bekäme. Schnell kam ich aus der Puste, z.B. beim Treppensteigen, sogar wenn es nur ein Stockwerk war, hatte nachts häufig nass geschwitzte Kleidung und immer wieder Krämpfe im Unterleib. Im Nachhinein sind das typische Symptome, außer den Unterleibsschmerzen, jedoch denkt auch nicht jeder Arzt gleich an das Schlimmste. Zur Sicherheit nahm mein Arzt morgens eine Blutprobe zur Klärung ab – er tippte zuerst auf einen Magen-Darm-Infekt. Im Winter ist häufig so etwas „unterwegs“. Und damals war quasi Hochsaison. Also, was soll es schon anderes sein? Als mittags dann die Laborwerte bekannt waren, hat der Arzt sofort angerufen und mir einen Kontakt in der Notaufnahme der Freiburger Uniklinik genannt, bei dem ich mich umgehend melden sollte. Tja, da rutscht einem erst mal das Herz in die Hose. Nach weiteren Blutabnahmen und einigen Stunden des Wartens auf genauere Laborergebnisse stand die Diagnose aber fest: Leukämie.

Tja, Gerade fuhr ich noch auf der Straße meines Lebens. Weit und breit nur die kleinen Kurven des Alltags und plötzlich aus dem Nichts steht eine Mauer im Weg und es kracht. Dieser Crash hat alles verändert.

Das Raubtier

Das heimtückische an der Leukämie ist ihre Unsichtbarkeit. Sie lauert, schleicht sich an, um dann aus dem Hinterhalt wie ein Raubtier zuzuschlagen. Solange dieser Räuber nicht besiegt ist, leiden die Betroffenen und ihre Angehörigen. Die Belastung von Beziehungen jeglicher Art ist nicht zu unterschätzen. Mit meinen Erfahrungsberichten will ich versuchen, ein kleines Schlüsselloch für außen Stehende zu öffnen, eine Ahnung zu vermitteln, was ein Leukämiepatient und dessen Angehörige im Kampf gegen diesen erbarmungslosen Killer durchleben.

Ein Raubtier, das Menschen anfällt und tötet, muss beseitigt werden. Nur wie? Erschießen, erdolchen, vergiften? Die ersten beiden Möglichkeiten scheiden hier aus. Da würde der Patient gleich mit hops gehen. Es muss eingeschläfert, also vergiftet werden, aber möglichst so, dass der Mensch überlebt.